Autobahnabschnitte (ABA) in der ehemaligen DDR
ÜbersichtAutobahnabschnitte (DDR: "ABA", engl. "Highway Strips") sind vorbereitete Teile einer Autobahn, die für den Flugbetrieb genutzt werden können. Sie zeichnen sich aus durch gerade Streckenführung, fehlenden Grünstreifen, fehlende oder herausnehmbare Leitplanken, Hindernisfreiheit und großzügige Parkplätze. Die nachfolgende Tabelle listet die Autobahnabschnitte in der ehem. DDR. Angegeben ist die alte DDR-Autobahnnummer (ein System, das in der Öffentlichkeit kaum verwendet wurde) sowie die aktuelle Autobahnnummer. Die Links verweisen jeweils auf den Eintrag im Hauptverzeichnis.
|
Werbung 'Eine Jagdfliegergruppe operiert während eines geheimen Manövers von einem öffentlichen Autobahnabschnitt ...' |
Beispiel

Das Luftbild links zeigt den Autobahnabschnit ABA Spreenhagen im Jahre 2007. Er befindet sich an der Autobahn 12 (früher DDR-Autobahn A3) zwischen Berlin und Frankfurt/O.
Auch 17 Jahre nach der Wende ist die Grundstruktur mit gerader Streckenführung und den charakteristischen Parkplätzen noch gut erkennbar. Nur der Mittelstreifen - auf dem Bild kaum zu sehen - wurde in die Standardform mit Grünstreifen zurück gebaut.
Grundlagen
Die Dienstvorschrift DV 105/0/003 "Taktisch-technische Grundsätze und Normen für die Projektierung und den Bau von Flugplätzen der Fliegerkräfte der Nationalen Volksarmee" unterscheidet 3 Typen. Flugplatzabschnitte 1. Ordnung haben eine Gesamtlänge von 3300 m sowie eine Länge der Start- und Landebahn (SLB) von 2500 m. Bei Flugplatzabschnitten 2. Ordnung beträgt die Gesamtlänge 2800 m und die Länge der SLB 2000 m. Alle anderen, die diese und andere Anforderungen nicht erfüllen, fallen in die 3. Ordnung.

Den vollständigen Text der Dienstvorschrift können Sie hier lesen: DV 105/0/003
Historie
Im Juli 1975 meldet der Minister für Nationale Verteidigung dem Nationalen Verteidigungsrat, dass "9 Abschnitte als Behelfsstart- und landebahnen auf Autobahnen" vorbereitet wurden. (Quelle: Bundesarchiv)
Im November 1985 wird im Nationalen Verteidungsrat der unbefriedigende Zustand der Militärflugplätze dargestellt. Gegenstand sind auch die Autobahnabschnitte:
| Flugplatzabschnitt | Fertigstellung | milit. nutzungsfähig | Gründe der Nichtnutzungsfähigkeit | |
|---|---|---|---|---|
| geplant | realisiert | |||
| Netzeband | 1978 | 1978 | seit 1978 | |
| Perwenitz | 1980 | 1981 | seit 1981 | |
| Forst | 1974 | bis 1982 | ||
| 1983 Rekonstruktion, Ausbau zur I. Ordnung | 1984 | bis 1985 Keine Nutzungsfähigkeit hergestellt | - Fehlen erforderlicher Tragfestigkeit der seitlichen Sicherheitsstreifen und unbefestigter Stellflächen - Fehlen der geforderten Hindernisfreiheit (Abholzung) | |
| Leisnig | 1985 | im Bau | nein | Der Ausbau soll im Rahmen der Fahrbahnrekonstruktion erfolgen |
| Lützen | nein | Der Ausbau soll im Rahmen der Fahrbahnrekonstruktion erfolgen | ||
| Kavelstorf | 1985 | im Bau | nein | Fertigstellung der befestigten und unbefestigten Stellflächen sowie der seitlichen Sicherheitsstreifen |
| Spreenhagen | 1980 | 1984 | nein | - Alterserscheinungen auf den befestigten Flächen - Fehlen erforderlicher Tragfähigkeit der seitlichen Sicherheitsstreifen und unbefestigter Stellflächen |
| Ruhland | 1981 | 1983 | nein | - Fehlen erforderlicher Tragfähigkeit der seitlichen Sicherheitsstreifen und unbefestigter Stellflächen - Fehlen der geforderten Hindernisfreiheit (Abholzung) |
| Dessau | 1986-1990 | nein | zum Ausbau geplant | |
"Der Stellvertretende des Vorsitzenden des Ministerrates und Vorsitzende der staatlichen Plankommission wird beauftragt, im Rahmen der Ausarbeitung des B-Planes für 1986 den Ausbau weiterer Flugplatzabschnitte auf Autobahnen vorzusehen" (Quelle: Bundesarchiv)
In einer Karte aus der Wendezeit sind zwei Gelände im Nordwesten der DDR verzeichnet, auf denen vermutlich Autobahnabschnitte entstehen sollten: Bobzin und Rohlsdorf (Quelle: Andreas Riedel)
Nach der Wende wurden die Autobahnabschnitte im Rahmen der umfangreichen Neugestaltung der Autobahnen zurück gebaut.