Altes Lager: Flugplatz

Jüterbog, Аэродром Альтес-Лагер

Nur zur geschichtlichen Information, nicht zur Navigation oder zum Fliegen verwenden!
Koordinaten: N515944 E0125854 (WGS84)
Karte: Google Maps
HNN: 328 ft

Lage Ort

Bundesland Brandenburg.
Deutschland im Kalten Krieg

Im Zweiten Weltkrieg

Nutzung

Fliegerhorst der Luftwaffe.

Situation

Der Fliegerhorst Altes Lager im Zweiten Weltkrieg auf einer US-Karte aus dem Jahr 194x - (McMaster University Library Digital Archive, Lizenz: Creative Commons Attribution-NonCommercial 2.5 CC BY-NC 2.5 CA /MULDA/)

Im Kalten Krieg

Nutzung

Flugplatz der sowjetischen Streitkräfte.

Situation

Der Flugplatz Altes Lager auf einer Karte des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 1972 - Die blauen Linien kennzeichnen die alliierten Korridore von und nach Berlin (ONC E-2 (1972), Perry-Castañeda Library Map Collection, University of Texas at Austin /PCL MC/)

Übersicht

Start- und Landebahnen

Angaben für das Jahr 1990:
  • 10/28: 2600 m

Funkfeuer

Angaben für die 1970er Jahre
Für die 1980er Jahre liegen mir nur einzelne Informationen vor. Für 1989 wird im "Verzeichnis 012" für Altes Lager ein Zonenfunkfeuer auf der Frequenz 390 kHz mit der Kennung "RK" genannt. Gemäß einer anderen Quelle, die vermutlich aus den 1980er Jahren stammt, arbeitete auf 390 kHz das Nahfunkfeuer "B". Das dazu gehörende Fernfunkfeuer hatte die Frequenz 313 kHz und die Kennung "BM"
  • FFF 28: 313 "BM"
  • NFF 28: 645 "B"
  • FFF 10: 313 "LG"
  • NFF 10: 645 "L"

Kommunikation

Die russischen Funkrufzeichen des Flugplatzes waren:
GABARITNIJ (u.a. Mitte der 1960er Jahre)
LEXIJA (u.a. 198x-199x) (bedeutet "Vorlesung", originale Schreibweise auf Kyrillisch: ЛЕКЦИЯ).
Auf einer Karte mit Wetterstationen, die Anfang der 1990er Jahre in der Flugleitung am Flugplatz Sperenberg hing, war für Altes Lager der Name KNIGA eingetragen (= Tarnname der Wetterstation Altes Lager?)

Luftraum und Verfahren

Situation des Flugplatzes Altes Lager in den 1980er Jahren - Die Karte aus dem Bereich der ehemaligen Nationalen Volksarmee NVA zeigt die militärische Nutzung des Luftraums südwestlich von Berlin. Als topografisches Merkmal sind die Autbahnen eingezeichnet. Mit K3 ist der südliche alliierte Korridor gekennzeichnet, der oben in die kreisförmige Berliner Kontrollzone mündet, von der nur der untere Teil sichtbar ist. Teilweise parallel zum südlichen Korridor verläuft die deutlich schmalere DDR-Luftstraße W2, die oben am Nahbereich (TMA) Schönefeld beginnt und nordwestlich von Wittenberg nach Süden abknickt. Die kleinen Kreise markieren Flugplätze, Altes Lager hat einen roten Punkt. Die einen Flugplatz umgebende unregelmäßige Schlaufe ist das jeweilige Anflugsystem. Der große Kreis ist der 60km-Radius um den Flugplatz Holzdorf. Zusätzlich sind einige Flugzonen und Sperrgebiete verzeichnet.

Standardflugstrecken

"Flüge der LSK/LV der NVA und der LSK der GSSD im Rahmen der Gefechtsausbildung sind entsprechend der Grafik der Flugtage / -nächte auf der Grundlage der "Hauptflugregeln zum Fliegen im Luftraum der Deutschen Demokratischen Republik" auf Standardflugstrecken in den dazu festgelegten Flughöhen durchzuführen. ..." (Quelle: "Verzeichnis der Standardflugstrecken der LSK/LV der NVA und der LSK der GSSD")
223 Altes Lager, Gräfenhainichen, LK, Schönewalde, Altes Lager
Höhe: 600 - 1850 m (nach Abstimmung mit VHZ)
Abfangabschnitt: Zahna, Burgkemnitz, Prettin, Schweinitz
224 Altes Lager, Nauen, Wolmirstedt, Altes Lager
Höhe: 4900, 5500 m
Abfangabschnitt: Buschow, Colbitz
225 Altes Lager, Öhna, Golssen, Baruth, Schießplatz Heidehof, Markendorf, Altes Lager
Höhe: 300 - 600 m
227 Altes Lager, Wittenberg, Trossin, Schildau, Schießplatz Belgern, Herzberg, Altes Lager
Höhe: zum Schießplatz 300 - 1200 m, Rückflug 1200 - 1850 m (Steigflug über dem Schießplatz)
228 Altes Lager, Raben, Sömmerda, Senftenberg, Altes Lager
Höhe: 7900, 8550, 11900 - 18000 m
Höhenaufgabe: Senftenberg, Traverse Finsterwalde maximale Höhe 7900 m
Abfangabschnitt: Coswig, Halle, Traverse Leipzig, Lauchhammer
543 Altes Lager, Treuenbrietzen, Niemegk, Cobbelsdorf, Zahna, Öhna, Altes Lager
Höhe: 100 - 300 m

Liegenschaften

Im Bereich Lindow (5,6 km westlich des Flugplatzes) befand sich die FlaRak-Stellung des Flugplatzes.
Unmittelbar am Ostrand des Platzes verläuft die Eisenbahnstrecke Treuenbrietzen-Jüterbog. Auf Grund des zunehmenden Problems "Betonkrebs" im Streckennetz der Deutschen Reichsbahn wurden in den 1980er Jahre über diese Strecke auch Transitzüge von Berlin ins Bundesgebiet geleitet. Von diesen Zügen aus hatte man einen guten Blick auf die am Ostrand stehenden Radargeräte und auf die Start- und Landebahn.

Historie

  • 1966 Beobachtung der US-Militärverbindungsmission: Das Regiment Jüterbog wurde mt Flugzeugen des Typs MiG-21 FISHBED F ausgerüstet, genauso wie die Regimenter in Pütnitz und möglicherweise Altenburg. Quelle: /USMLM 1966/
  • Mai 1966 Beobachtung der US-Militärverbindungsmission: "Im Mai verlegte das mit FISHBED F ausgerüstete Jagdfliegerregiment zwei Mal auf den Gras-Flugplatz Reinsdorf. Es war die erste Sichtung von Flugzeugen FISHBED F auf einem unbefestigten Platz und trug wesentlich zu unserem Wissen über die Fähigkeiten dieses Flugzeugs bei." Quelle: /USMLM 1966/

Weitere Infos

Es sieht so aus, als wenn der Flugplatz Jüterbog / Altes Lager in Nevada / USA als Übungsziel nachgebaut wurde. Im westlichen Bereich der Nellis Airforce Range befindet die Tolicha Peak Electronic Combat Range (TPECR). Ca. 7 km nordwestlich davon ist ein Flugplatz als Ziel angelegt (N3722 W11650). In einem im Internet verfügbaren Dokument wird der Platz als "Eastman Airfield Target" oder "Target 76-14" bezeichnet.
Gemäß einiger Quellen im Internet wird der Platz als "Koreanischer Flugplatz" bezeichnet. Er hat jedoch signifikante Ählichkeiten mit Jüterbog / Altes Lager. Der Platz besitzt die für Altes Lager sehr typische nordöstliche Rollweg-Schleife und - besonders markant - die 3 schrägen Abstellflächen vor den Hangars an ihrer westlichen Seite. Die anderen Rollwege sind dem Original zumindest ähnlich. Die Landebahn des Nachbaus ist ca. 400 m kürzer als im Original.
Ca. 2,5 km west-nordwestlich des Nachbaus befindet sich ein Objekt, dass die ca. 5,6 km entfernte Fla-Raketenstellung des Orignals darstellen könnte. In 5,6 km Entfernung von der Kopie befindet sich, allerdings in nordwestlicher Richtung, eine nachgebaute SA-2-Stellung.
Etwas entfernt befindet sich eine weitere Flugplatz-Kopie, siehe Altenburg.

    Heute

    Nutzung

    Geschlossen.

    Links

    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1969 - Notiz zur Beobachtung von ein oder zwei nicht gekennzeichneten MiG-21PF in Jüterbog im August 1969; Notiz zu einem "kraftvollen" Flugprogramm am 14.10.1969
    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1972 - Geschwader ist mit einem Mix aus MiG-21PF und MiG-21PFM ausgestattet; Verlegung nach Reinsdorf im Juli (beobachtet am 10., 11. und 12.07.) (mit zwei Bildern aus Reinsdorf)); Ende 1972 ist die FlaRak-Stellung mit 7 MERCURY GRASS ausgestattet.
    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1973 - Notiz zur Einführung von MiG-21bis FISHBED L in Jüterbog. Die Maschinen wurden das erste Mal am 17.04.1973 gesichtet. Der größte Teil der MiG-21PF wurde in die Sowjetunion zurück geflogen. Die MiG-21PFM gingen nach Alt Lönnewitz/Falkenberg.
    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1975 - Notiz zur Verlegung von MiG-21bis aus Jüterbog nach Reinsdorf Foto einer MiG-21bis aus Jüterbog.
    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1977 - In Jüterbog erster fotografischer Nachweis der Nutzung von Raketen AA-8 APHID an MiG-21bis.
    • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1984 - Erste Sichtung von MiG-23MLD FLOGGER K in Jüterbog am 13.03.1984; Bestand im Mai 1984: 12 MiG-23MLD FLOGGER K und 24 MiG-23ML FLOGGER G
    • Sachsenbunker
    • Garnisongeschichte Jüterbog - Umfassende Darstellung der Geschichte der Garnison Jüterbog. Mit vielen Bildern.

    Literatur

    • /USMLM 1966/:
      United States Military Liaison Mission: "Unit History 1966"
    • Freundt, Lutz: "Sowjetische Fliegerkräfte in Deutschland 1945-1994, Band 2" Freundt Eigenverlag, Diepholz 1999 - Ausführliche Beschreibung, Plan, Luftbilder und Fotos
    • Freundt, Lutz: "Sowjetische Fliegerkräfte in Deutschland 1945-1994, Band 3" Edition Freundt Eigenverlag, Diepholz 1999 - einzelne Fotos
    • Freundt, Lutz: "Sowjetische Fliegerkräfte in Deutschland 1945-1994, Band 4" Edition Freundt Eigenverlag, Diepholz 2000 - Ergänzungen
    • Schulze, Henrik: "Geschichte der Garnison Jüterbog 1890-1994 - Jammerbock" Biblio-Verlag, 2000

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