Flugplatzmerkmale

Nur zur geschichtlichen Information, nicht zur Navigation oder zum Fliegen verwenden!

Manche Flugplätze sind zueinander ähnlich bzw. haben ähnliche charakteristische Merkmale. Das trifft vor allem auf Flugplätze zu, die innerhalb des selben Landes entstanden sind bzw. von der selben Streitkraft errichtet wurden. Daraus entstand die Idee, die Muster herauszuarbeiten und zu katalogisieren.

Ich verwende folgendes Schema zur Benennung:
AL = Aerodrome Layout: Grundlegendes Flugplatzschema aus Start- und Landebahnen, Rollwegen und ggf. Abstellflächen
DA= Dispersal Area: Dezentralisierungsraum
QRA = Quick Reaction Alert: Bereitschaftsflächen für Alarmflugzeuge
RWY = Runway: Start- und Landebahnen.

Nach dem Code folgt die Bezeichnung des Landes bzw. der Streitkraft und eine laufende Nummer
DE = Deutschland
DE(DE) = Alte Bundesrepublik
DE(DD) = DDR
DE(DR) = Deutsches Reich
RU = Russland bzw. Sowjetunion
US = USA

AL - Flugplatzschemas

AL-1 > Ostblock: Entfernte Dezentralisierungsräume

Merkmale: Vom Flugplatz führt ein ca. 2..2,5 km langer Rollweg weg, oft quer zur Haupt-Start- und Landebahn. Der Rollweg verlässt ggf. das eigentliche Flugplatzgelände, um über öffentliches Gebiet zu führen. Am Ende befindet sich eine Abstellanlage, u.U. mit Sheltern. Der Rollweg kann in vielen Fällen als Hilfsstartbahn genutzt werden.

Flugplätze: Dieses Schema wurde in einigen Ländern des Ostblocks genutzt:
Albanien: Gjadër, Kuçova
Deutschland (DDR): Brand, Templin, Welzow
Estland: Ämari
Slowenien: Cerklje
Tschechische Republik: Bechyně, Líně, Žatec
Ungarn: Kecskemét, Taszár

Varianten: 1) Geometrisch gleichmäßige Gestaltung des Dezentralisierungsraums als Kreis oder Oval in Ungarn; 2) Unterirdische Abstellanlage im Berg (Gjadër, Kuçova). 3) Rollweg/Hilfsstartbahn ist eher parallel als quer zur Start- und Landebahn (Gjadër)


AL-DE(DD)-1 > DDR: Feldflugplätze

Merkmale: Start- und Landebahn mit einer Länge von insgesamt 2350 m; auf den ersten 400 m in Hauptlanderichtung befestigte Aufsetzzone, dann 1850 m Gras, dann wieder 100 m befestigtes Endstück; weitere parallele Grasbahnen; befestigte Ringrollbahn auf einer Seite der Landebahn; kleine Vorstartlinie

Flugplätze: Dieses Schema wurde für diese Feldflugplätze in der ehem. DDR genutzt: Gnoien-Warbelow, Groß Mohrdorf, Kleinköris, Müncheberg. Eventuell hatte auch Alteno diese Form, bevor der Platz eine vollständig befestigte Bahn erhalten hatte.

Varianten: Varianten: 1) Dezentralisierungsflächen 2) Ringrollweg im Winkel zur Start- und Landebahn (Groß Mohrdorf, Müncheberg); 3) Anordnung der Vorstartlinie am Rollweg zur Bahn (Müncheberg).


AL-DE(DE)-1 > Deutschland: Bundeswehr

Merkmale: Start- und Landebahn mit parallelem Rollweg; an den Enden jeweils eine henkelförmige Schleife im Winkel von 45 Grad; kleine Abstellflächen an beiden Rollwegen der Schleife; Rollweg zur Mitte der Start- und Landebahn.

Flugplätze: Flugplätze: Dieses Muster wurde bei einigen Plätzen genutzt, die für die Luftwaffe in den 1950er/60er Jahren neu gebaut wurden.: Eggebek, Hohn, Hopsten, Husum, Leck, Neuburg, Varrelbusch (nur geplant), Wittmundhafen

Varianten: Varianten/spätere Modifikationen: 1) zusätzliche Shelter-Schleifen, 2) zusätzliche Abstellflächen, 3) weiterer paralleler Rollweg mit großen Abstellflächen dazwischen für Transportflugzeuge (Hohn), 4) Größe der kleinen Abstellflächen; 5) kleine Abstellflächen zu beiden Seiten eines Schleifen-Rollwegs; 6) nur eine Schleife auf der anderen Seite des parallelen Rollwegs (Neuburg),

Ähnlich: Ähnlich: Broye-lés-Pesme in Frankreich (Schleifen an den Enden, aber andere Abmessungen/Proportionen); einige Fliegerhorste in der Türkei


AL-SE-1 > Schweden: Kriegsflugplätze

Merkmale: Start- und Landebahn, meist 2000 m lang; paralleler Rollweg, der an den Enden der Start- und Landebahn mündet; dort QRA-Bereiche.

Flugplätze: Åmsele, Björkvik, Byholma, Fällfors, Färila, Gimo, Gunnarn, Hagshult, Hasslösa, Heden, Hultsfred, Jokkmokk, Knislinge, Kosta, Kubbe, Lidköping, Piteå, Råda, Sättna, Sjöbo, Strängnäs, Uråsa, Vidsel

Varianten: 1) Rollweg bildet eine ausladende Schleife zur Start- und Landebahn (Åmsele, Björkvik, Byholma, Gimo, Piteå, Sättna, Vidsel). Die Schleifen haben unregelmäßige Formen. Siehe a.
2) In einigen Fällen befindet sich eine der Schleifen auf der anderen Seite der Start- und Landebahn
3) Ringrollbahn führt in einem Halbkreisbogen zur Start- und Landebahn (Fällfors, Gunnarn, Hagshult, Hasslösa, Heden, Jokkmokk, Kubbe, Råda, Sjöbo, Uråsa). Siehe b.
4) Der parallele Abschnitt der Ringrollbahn ist länger als die Start- und Landebahn (Knislinge, Kosta, Strängnäs). Siehe c.
5) Die Ringrollbahn verläuft nicht genau parallel.
6) Mischformen.


AL-US-1 > US-Luftwaffe: Flugplätze in Deutschland nach dem Krieg

Merkmale: Start- und Landebahn mit Ringrollweg zu beiden Seiten; charakteristischer Knick im Rollweg kurz vor der Bahn; entlang der Rollwege direkt angrenzende Abstellflächen (also ohne Zurollweg), rechts und links abwechselnd

Flugplätze: Flugplätze: Es sieht so aus, als wenn dieses Schema von den US-Streitkräften in den 1940er Jahren auf Flugplätzen in Deutschland genutzt wurde: Frankfurt Rhein/Main, Fürstenfeldbruck (siehe Luftbilder von 1947), Giebelstadt, Wiesbaden. Auch wenn es in Wiesbaden noch einige dieser Abstellflächen gibt, so scheint Giebelstadt heute der einzige Platz zu sein, der diese Form fast im Ursprungszustand zeigt.

RWY - Start- und Landebahnen

RWY-DE(DR)-1 > Deutsche Luftwaffe bis 1945: Befestige Startköpfe

Merkmale: Auf dem Flugfeld trapezförmige Startköpfe, die sich versetzt gegenüber stehen.

Flugplätze: Flugplätze:
Deutschland: Altenburg (Reste vorhanden), Ansbach AHP (nicht mehr vorhanden), Crailsheim (nicht mehr vorhanden), Giebelstadt AAF (nicht mehr vorhanden), Göppingen AAF (noch vorhanden, mit Start- und Landebahn verbunden), Landsberg (nicht mehr vorhanden), Merseburg (noch vorhanden), Schwäbisch Hall (Reste bis ca. 2004 vorhanden), Straubing (auf Satellitenbilder noch erahnbar)
Österreich: Linz-Hörsching (Reste vorhanden)

QRA - Bereitschaftsbereiche

QRA-RU-1 > Ostblock: parallele QRA-Bahnen auf Flugplätzen der sowjetischen Luftstreitkräfte

Merkmale: An den Enden der Start- und Landebahn jeweils ca. 10 Bereitschaftflächen. Sie befinden sich unmittelbar an der Bahn und münden in einem Winkel von ca. 60°.

Flugplätze: Flugplätze: Tapa (Estland), Templin (Deutschland)

Varianten: Varianten: 1) Die Bereiche befinden sich auf der gleichen Seite der Start- und Landebahn (Tapa) oder auf den entgegengesetzten Seiten (Templin). 2) Die Bereiche befinden sich nicht am Ende der Start- und Landebahn, sondern ein Rollweg davor, evtl. nach Verlängerung der Bahn (Tapa).


QRA-SE-1 > Schweden: S-förmige QRA-Bereiche

Merkmale: Gerader Rollweg, um den sich ein weiterer Rollweg S-förmig schlingt; auf dem geraden Rollweg hinten sowie auf dem vorderen Bogen des S befindet sich ein Unterstell-Dach.

Flugplätze: Diese Art ist auf fast allen schwedischen Flugplätzen zu finden.

Varianten: Varianten entstehen dadurch, dass an einem oder an beiden Enden eine Schlinge nicht zurück läuft, sondern weiter parallel zum geraden Rollweg verläuft und so auf die Start- und Landebahn bzw. den Rollweg mündet.


QRA-SE-2 > Schweden: QRA-Bereiche mit zwei parallelen Bahnen

Merkmale: Zwei Bahnen führen parallel auf die Start- und Landebahn. Ihre Länge beträgt zwischen 140 und 180 m, der Abstand untereinander ca. 20 m. Die Bahnen sind an einer Stelle durch eine Fläche miteinander verbunden. Vor bzw. nach dem Verbindungsstück ist die Bahn verbreitert, vermutlich befindet sich hier der Aufstellplatz für das Flugzeug.
Die Bereiche sind oft paarweise angeordnet, so dass 2x2 Bahnen nebeneinander zu finden sind.

Flugplätze: Eskilstuna, Göteborg-Säve, Heden, Kalmar, Linköping/Malmen, Linköping/Saab, Norrköping-Bråvalla, Nyköping, Stockholm-Tullinge, Uppsala

Varianten: In einigen Fällen laufen die beiden Bahnen kurz vor der Start- und Landebahn aufeinander zu, so dass sie fast an der selben Stelle münden.

DA - Dezentralisierungsräume

DA-RU-1 > Ostblock: Rollwege mit großen Einzelabstellplätzen

Merkmale: Entlang von Rollwegen befinden sich beidseitig große Abstellflächen. Sie sind mit dem Rollweg über einen Zurollweg und einen Abrollweg verbunden, wodurch eine Ringform entsteht. Vermutlich wurden sie als Abstellplatz für große Bombenflugzeuge errichtet.

Flugplätze: Flugplätze:Mošnov (Tschechische Republik), Powidz (Polen), Templin (Deutschland)