Über mich

Wahrscheinlich ist es so: Wenn man neben einem Flughafen wohnt, dann hasst man ihn oder man liebt ihn, dazwischen gibt es nicht viel. Ich gehöre zu letzterer Gruppe, nach vielen Jahren direkter Nachbarschaft zum Flughafen Schönefeld. Habe dort einiges gesehen: das russische Überschallflugzeug Tu-144, den größten Hubschrauber der Welt W-12, eine verunglückte Tu-134. Aber auch ganz normale Dinge: wenn ein russischer Jet auf der 25R startete, dann klirrten in unserer Schule die Scheiben so stark, dass der Unterricht für 2 Minuten unterbrochen werden musste.
Die Flugzeug-Zeitschrift im Osten war die Fliegerrevue. Sie war schwer zu bekommen. Es gab da eine Serie "Flugzeugerkennung NATO". Detailliert wurde beschrieben, wie man einen anfliegenden Starfighter erkennt. Und wo sie überhaupt stationiert waren, z.B. beim JaboG 34 in Memmingen. Aber wo lagen eigentlich die Einheiten im Osten? Komisch, da war immer nur die Rede vom Jagdgeschwader "Heinrich Rau" oder "Juri Gagarin". Aber nie ein Ort, nie eine Geschwadernummer.
Ende der 1970er Jahre im Westen angekommen, fühlte ich mich in einem Informations-Paradies - was die westliche Luftfahrt betraf. Die Informationslage *über* den Osten dagegen war fast genauso bescheiden wie *im* Osten. Es gab einzelne Bücher und man erfuhr von Flugplätzen in Cottbus oder Preschen. Aber es gab auch Angaben wie "Bombergeschwader in Fürstenwalde" oder "Flugplatz Brusin", die mir irgendwie nicht verlässlich erschienen (Ich habe bis heute nicht herausgefunden, wo der Ort "Brusin" liegt. Kennen Sie ihn zufällig? Über einen Hinweis würde ich mich sehr freuen.)
Ein echtes Highlight in jener Zeit war ein Artikel im Stern über die Stationierung von Su-24 in Brand und Angaben zu weiteren sowjetischen Plätzen. Wenn man heute die USMLM-Jahresberichte liest, dann kann man erahnen, wie diese Daten ermittelt wurden. Eine wirklich tiefgreifende Verbesserung der Informationslage brachte der Satellitenbildatlas von Diercke. Auf Landsat-Bildern konnte man sich das Gebiet der DDR ansehen und auch Flugplätze identifizieren. Aber wenn Sie jetzt Google-Earth-Bilder vor Augen haben sollten: vergessen Sie's, es war Maßstab 1:500.000! Man musste schon *sehr* genau hinsehen, um einen Platz zu erkennen. Immerhin, für einen Laien eine erste objektive Quelle.
Als interessierter Laie erschloss ich mir mit der Zeit weitere Quellen, so dass ich manches gut beurteilen konnte. Zum Beispiel dass im Heft 11/86 von "Soldat und Technik" zu den NVA-LSK/LV erhebliche Fehler waren. Diese Ausgabe der sonst hervorragenden Zeitschrift war ausschließlich den Streitkräften im Osten Deutschlands gewidmet. Landstreitkräfte und Volksmarine waren nicht schlecht. Aber bei den Luftstreitkräften stimmte so einiges nicht. Absicht oder nicht besser gewusst? Letzteres ist kaum anzunehmen. Irgendwann später gab es eine Korrektur.
Mit der Wende setzte eine Flut von Informationen ein. Die Möglichkeit, die Objekte zu besuchen, Gespräche mit ehemaligen NVA-Offizieren, Zugriff auf interessante Dokumente. Dazu verbesserte Hilfsmittel, wie hochauflösende Satellitenbilder. Und die freudige Erfahrung, dass es weitere Menschen gibt, die sich für das Thema interessieren.
Anfang der 1990er Jahre gab ich per Kleinanzeige eine Informationssammlung über die LSK/LV heraus, mit großer Resonanz. Und 1997 gestaltete ich meine erste Website, eine bunte Sammlung zu DDR-Themen: Flugplätze, Bunker, Computertechnik u.a. 2001 folgten dann diese Seiten.
Das Interesse an der Luftfahrt lebt in mir auch noch nach 30 Jahren. Wenn ich heute abend aus dem Fenster schaue, dann sehe ich die Lichter der Maschinen im Anflug auf Stuttgart. Ein schöner Anblick.