Schweden
Militärische Instrumentenlandesysteme in Schweden
Während man sich in Deutschland mit einem militärischen Instrumentenlandesystem äußerst schwer getan hat (siehe Bild einer SETAC-Anlage im Internet?), setzte bzw. setzt man in Schweden seit Jahrzehnten gleich zwei (nicht-ICAO-konforme) Systeme ein: Barbro und TILS.
- Barbro: Anflugsystem, das ähnlich den schwedischen Anita- und Anna-Funkfeuern im Bereich von 200 MHz arbeitete. Soweit ich verstehe, misst es wie Anita und Anna die Entfernung und markiert zusätzlich einen Landekurs. Und aus der gemessenen Entfernung wird vom Bordrechner (J-37 Viggen) die dazu passende ideale Höhe bestimmt, mit der aktuellen Höhe über dem Flugplatz (QFE) verglichen und die Differenz dem Piloten angezeigt.
- TILS: stehf für "Taktiskt instrumentlandningssystem" (Taktisches Instrumentenlandesystem), arbeitet ähnlich wie das normale ILS, ist aber nicht kompatibel und nutzt einen Bereich um 15 GHz.
Dazu kommt noch die Möglichkeit des MILS, des militärischen ILS-Anflugs.
Die Grundprinzipien für Anita, Anna, Barbro und TILS sind u.a. im "Flygvapnet NAVIGERINGS-HANDBOK" (Navigationshandbuch der schwedischen Luftwaffe) von 1977 beschrieben: http://www.aef.se/Nav-handbok/FV%20Navhandbok.htm. Im Kapitel 9 "Radiosystem" beginnt auf Seite 25 der Abschnitt "PN-systemet (Barbro, Anita och Anna)". Und das Kapitel 15 "Landning, system och metoder" beschreibt die Nutzung der Systeme für den Anflug.
Detaillierte Gerätebeschreibungen für die Bodenstationen gibt es bei Försvarets Historiska Telesamlingar (FHT): Radarfyr PN-521/R ist "Barbro", während PN-601F das System "Anita" beschreibt und PN-513F "Eureka".
Ausführliche Beispiele zur Durchführung von TILS- und anderen Anflügen finden sich in aktuellen offiziellen Dokumenten, z.B. http://www.mil.se/sv/om-forsvarsmakten/Dokument/Manualer/. Hier zu den "FOM Flygoperationell manuals" navigieren und das Dokument "fom_stridsflyg_ipm.pdf" (Flughandbuch Kampfflugzeuge, 3 MB) öffnen und dann ab Seite 46.
Eine Anflugkarte für einen TILS-Anflug für den Flugplatz Tierp kann hier betrachtet werden: http://flygbas.se/?page=2&lan=de&kat=20&id=65948. So wie ich es verstehe, könnte die Angabe oben "TILS 18" der einzustellende Kanal sein. Die Entscheidungshöhe ist unten mit 60 m angegeben, was einem Cat-I-Anflug entsprechen würde. Oben sind auch noch Angaben zu Anita und Barbro gemacht, die ich nicht verstehe. Insbesondere weil in der Änderungsangabe am Fuß der Seite steht: "ANITA OCH BARBRO utgår" (entfällt).
Die oben genannten offiziellen Dokumente sind auch noch aus anderen Gründen interessant:
Die Anflugbeispiele nutzen teilweise das metrische System. Höhenangaben wie "2450 m Std" waren ja eher für den Ostblock charakteristisch. Genauso wie die Nutzung von QFE-Höhen, nur dass das QFE hier in Hektopascal angegeben wird, während man in Moskau oder Schönefeld eine Angabe in mm erhalten hätte.
Interessant ist auch das Handbuch für die JAS 39 Gripen (fom_b_jas_39_ipm.pdf): ab Seite 25 sind die Parameter für den Einsatz auf "Short airstrips" angegeben, also jene Highway-Strips, die sich häufig in der unmittelbaren Umgebung von schwedischen Flugplätzen befinden. Außerdem ist eine Klassifizierung dieser "Kortbana" genannt.
Schweden bei mil-airfields.de: Militärflugplätze in Schweden.
Aktualisierung Schweden
Mehrere Wochen hat es gedauert: die Aktualisierung von Schweden. Das Land war zusammen mit Ungarn (siehe Aktualisierung Ungarn) eher ein Stiefkind auf mil-airfields und forderte eine vollständige Überarbeitung.
Allerdings war der Aufwand größer als erwartet, denn die Flugplatzlandschaft in Schweden war sehr umfangreich. Das kann man auch daran erkennen, dass es hier für Schweden mittlerweile 95 Einträge gibt und das Land damit an Polen vorbei (90 Einträge) auf den "zweiten Platz" vorgerückt ist. Dabei fehlen noch zahlreiche schwedische Zivilflugplätze, die militärisch mitgenutzt wurden. Und bei den Straßenlandeabschnitten konnte ich auch erst maximal zwei Drittel identifizieren.
Das bringt mich zu der Frage, die mich die ganze Zeit beschäftigt hat: soll ich die Straßenlandeabschnitte aufnehmen oder nicht? Denn im Unterschied zu vielen anderen Ländern wird ein großer Teil noch immer genutzt. "Darf" ich diese Anlagen nun auflisten oder nicht? - Ich fand keinen logischen Grund, es nicht zu tun. Eine Liste dieser Landeplätze wurde vor einigen Jahren vom schwedischen Verteidigungsministerium veröffentlicht. Sie waren teilweise in internationalen Luftfahrtkarten publiziert. Die genauen Standorte werden in Luftfahrtforen diskutiert. Und ich habe hier nur öffentliche Daten verdichtet dargestellt. Der Aufwand: ein paar Stunden. Der dazu notwendige Sachverstand: eher gering. Eine Fleißarbeit, für (fast) jede andere Person mit wenig Aufwand genauso machbar.
Die Geschichte der schwedischen Luftwaffe und ihrer Flugplätze ist äußerst spannend! Die verlinkten Dokumente geben dazu viele Detailinformationen. Und wer kein Schwedisch kann (so wie ich :-): die Übersetzungen mit Hilfe von Google sind vielleicht nicht perfekt, aber sie reichen für ein grundsätzliches Verständnis absolut aus.
Ålem Reservvägbas: ein ausgewachsener QRA-Bereich an der Autobahn
Bis dato kannte ich von Autobahnabschnitten nur die charakteristischen großen Parkplätze. Dass es auch anders geht zeigt die Strecke bei Ålem. Sie befindet sich an der Ostküste Schwedens, ca. 30 km nördlich von Kalmar. Hier kann man einen richtigen QRA-Bereich finden (schwedisch: Framom, DDR: DHS), wie er sonst nur auf den schwedischen Kriegsflugplätzen anzutreffen ist: in der typischen Henkelform und mit verflochtenen Rollwegen.
Ålem Highway Strip auf Google Maps
Schweden: 4 Landeabschnitte auf einer Straße innerhalb von 20 Kilometern
Dass es in Schweden zahlreiche Straßenlandeabschnitte (Highway Strips) gibt, ist ja allgemein bekannt. Aber auf ein und der selben Straße innerhalb von 20 km vier Stück davon zu finden, hat mich doch beeindruckt: Straße 44 südwestlich von Lidköping auf Google Maps.
Die zugehörigen Flugplätze sind Rada und Såtenäs, siehe Schweden.