Freund-Feind-Kennung (IFF) Kremnij-2 und Parol

Nachfolgend habe ich meinen Recherche- und Kenntnisstand zu den sowjetischen/russischen IFF-Systemen „Kremnij“ und „Parol“ zusammengefasst. Die Angaben stammen aus verschiedenen Quellen, die alle unten angegeben sind (siehe /1/, /2/ usw.). Da die Quellen jeweils bei unterschiedlichen Themen ins Detail gehen und aus technischen wie aus sprachlichen Gründen unterschiedlich leicht zugänglich sind, habe ich die für mein Grundverständnis wichtigen Angaben hier zusammen getragen.

Kremnij-2 / Кремний-2

Übersicht

Kremnij-2 ist ein IFF-System, das vermutlich in den 1950er Jahren entstand. Das Signal einer abfragenden Station muss mit dem korrekten Code beantwortet werden. Für den Code gibt es 12 Möglichkeiten, die dem Antwortsignal aufmoduliert werden. Die Sicherheit des Systems basiert auf der Geheimhaltung des zum jeweiligen Zeitpunkt gültigen Codes, der im Stundenbereich gewechselt wurde.

Es gibt drei Abfragemodi, bei denen das Abfragesignal auf einer oder zwei Frequenzen gesendet wird. Bei Abfrage auf zwei Frequenzen wird das Signal des Primärradars mitgenutzt, mit dem das IFF-System gekoppelt ist.

Kremnij-2 nutzt drei Frequenzbereiche:
- Frequenzbereich I: Primärradar 8600..9700 MHz
- Frequenzbereich II: Primärradar 2520..3380 MHz
- Frequenzbereich III: Abfrage- und Antwortfrequenz 668 MHz
/1/

Der Frequenzbereich II wurde in der NVA Anfang der 1980er Jahre stillgelegt /12/

Abfragemodi nach /1/:

Ich vermute, dass es sich bei “Abfrage 3” um die sog. „Autonome Abfrage“ handelt, weil sie auch unabhängig von einem Primärradar vorgenommen werden kann (wenngleich die Synchronisation mit dem Primärradar weiterhin nötig ist, um eine konsistente Darstellung zu gewährleisten).

Auf dem Sichtgerät wird ein Ziel mit Kennung mit einem parallelen Balken auf der entfernten Seite dargestellt. /1/, /3/, /8/

Allgemeine Kennung (Modus I im Frequenzbereich III)

Zunächst gab es 12 Frequenzen, mit denen das Antwortsignal codiert werden kann: /1/

1:1,67 MHz 7:5,67 MHz
2:2,33 MHz 8:6,33 MHz
3:3,00 MHz 9:7,00 MHz
4:3,67 MHz 10:7,67 MHz
5:4,33 MHz 11:8,33 MHz
6:5,00 MHz 12:9,00 MHz

In Foren wird gelegentlich die Frage diskutiert, ob es für den Ernstfall 12 weitere Codefilter gegeben hat /4/, /5/

Impulsdiagramm des Antwortsignals nach /1/:

Hier scheint es im Laufe der Zeit eine Änderung gegeben zu haben: /3/ gibt 36 mögliche Codes an, die sich nur noch aus 6 verschiedenen Frequenzen zusammensetzen, aber zusätzlich 6 Kombinationen für die zeitliche Positionen T1 und T2 von zwei nachfolgenden Antwortcodes haben:

In /11/ findet sich ein Hinweis, der ebenfalls aus eine zeitliche Veränderung des Antwortcodes hindeutet: Hier wird von „Nummern der Impulsabstände“ gesprochen.

Kontrollkennung

(Bezeichnungen: Kremnij-2M /2/, 81Э bzw. 81Ä, Abfrage K, Zusatzkennung)

Das Antwortsignal im System KREMNIJ-2 kann von einem Gegner einfach imitiert werden, da es nur 12 verschiedene Codes gibt. Deshalb wurde die Möglichkeit der Kontrollkennung / Zusatzkennung eingeführt (in der NVA Anfang/Mitte der 1980er Jahren /12/) Die Reaktion auf die Abfrage der Kontrollkennung muss im Antwortgerät (z.B. im Flugzeug vom Piloten) aktiviert werden, z.B. mittels eines Kennworts über Funk. Wird nun von der Bodenstation die Kontrollkennung mit einem zusätzlichen 4. Impuls abgefragt, so erkennen die eigenen und für die Kontrollkennung aktivierten Antwortgeräte diesen Impuls und senden keine Antwort. Nur noch die Imitationsgeräte des Gegners antworteten weiternhin und zeichnen sich mit einem Kennungssignal auf dem Bildschirm ab.

Impulsdiagramm der Abfrage nach /3/

Die Kontrollkennung durfte grundsätzlich erst benutzt werden, wenn es befohlen wurde /10/. Vermutlich wollte man damit das System bis zum Ernstfall möglichst geheim halten.

Ehemalige sagen, dass die Kontrollkennung im Flugzeug zwar ein- und ausgeschaltet werden konnte, sie aber nicht noch zusätzlich codiert werden konnte /4/, /5/. Möglicherweise hatte sich auch das über die Zeit geändert: /11/ aus dem Jahre 1990 nennt „wechselnde Codes der Kontrollkennung von Flugzeugen“ und schreibt vor, dass bis auf Befehl der Code Nr. 0 für die Kontrollkennung zu verwenden sei.

Individuelle Kennung (Modus III im Frequenzbereich III)

Zur individuellen Kennung habe ich folgende Erkenntnisse gefunden:
- Die individuelle Kennung wurde in Form von Morsezeichen oder Buchstaben auf dem Schirm dargestellt /5/
- Zur Einstellung der individuellen Kennung wird ein dreistelliger Code verwendet /11/

Im deutlichen Widerspruch dazu steht die Aussage in /3/: Hier wird beschrieben, dass die individuelle Kennung nur aus einem Zusatzimpuls besteht, der der allgemeinen Kennung folgt. Der Zusatzimpuls kann zwei zeitliche Positionen einnehmen, so dass es zwei Codes gibt.

Impulsdiagramm der individuellen Kennung nach /3/:

Das so beschriebene Signal scheint eher dem SPI („Ident“) des zivilen Sekundärradars zu entsprechen.

Notsignal

Beim Notsignal wird das frequenzcodierte Signal der allgemeinen Kennung wiederholt. Das Notsignal ist damit an die korrekte Einstellung der Codefrequenz gebunden, d.h. bei falsch eingestelltem Code wird das Notsignal nicht auf dem Radarschirm dargestellt.

Impulsdiagramm nach /1/, /3/

Ein Ziel mit Notsignal wird mit einem dicken parallelen Balken auf dem Sichtgerät dargestellt /3/, /8/

Parol / Пароль

Übersicht

Parol ist das Nachfolgesystem zu Kremnij-2. Mit kryptografischen Methoden wird eine wesentlich größere Imitationssicherheit erreicht. Ende der 1980er Jahre wurde auch mit der Einführung in die NVA begonnen.

Viele Parol-Bodengeräte unterstützen aus Kompatibilitätsgründen auch noch das System Kremnij im Frequenzbereich III. Neu hinzugekommen ist der Frequenzbereich VII:
- 1532 MHz: Abfrage
- 1470 MHz: Antwort
- 1458 MHz: Antwort
In diesem Bereich werden also zwei Antwortfrequenzen genutzt. /2/

Allgemeine Kennung (Modus I im Frequenzbereich VII)

Dieser Modus funktioniert ähnlich der allgemeinen Kennung des Systems Kremnij-2 (Modus I im Frequenzbereich III). Er verwendet keine kryptografischen Methoden, so dass die Sicherheit durch Codewechsel gewährleistet werden muss /3/. Außerdem scheint es auch in diesem Modus eine Kontrollabfrage zu geben /11/. Der Modus ist gedacht für gestörte Umgebungen und bei Abfragen durch viele Abfragegeräte. /3/

Die Abfrage erfolgt mit drei Impulsen und einem weiteren Impuls zur Nebenkeulenunterdrückung. Impusldiagramm der Abfrage nach /3/:

Das Antwortgerät kann mit 6 verschiedenen Codes antworten. Die Antwort besteht aus zwei Impulsen, von denen jeweils einer auf einer der Antwortfrequenzen gesendet wird. Der Code bestimmt den zeitlichen Abstand T der Impulse und auf welcher der beiden Antwortfrequenzen fB oder fC der erste Impuls gesendet wird. /3/

Auf dem Sichtgerät wird ein Ziel mit Kennung mit einem parallelen Balken dargestellt. /3/, /8/

Bei der Vergabe der Codes werden Flugzeuge und Schiffe unterschieden. /11/

Imitationsgeschützte allgemeine Kennung („Garantierte Kennung“) (Modus II im Frequenzbereich VII)

Für einen Tag stehen 911 mögliche Abfragecodes zur Verfügung. Aus dieser sehr großen Menge wird für eine Abfrage ein Code zufällig ausgewählt und gesendet. Das Antwortgerät muss den Code empfangen und den dazu passenden Antwortcode aus einer Menge von 16 möglichen Codes auswählen und senden. Das Ergebnis wird von der abfragenden Station empfangen und geprüft. Passt der Antwortcode zum abgeschickten Abfragecode, so gilt das Ziel als „Eigener“ /3/

Impulsdiagramm der Abfrage nach /3/:

Die Antwort besteht aus zwei Impulsen. Die 16 möglichen Antwortcodes werden gebildet aus dem zeitlichen Abstand T der beiden Impulse (8 Möglichkeiten) und auf welcher der beiden Antwortfrequenzen fB oder fC der erste Impuls gesendet wird (2 Möglichkeiten)./3/

Impulsdiagramm der Antwort nach /3/:

Ein Ziel mit garantierter Kennung wird auf dem Sichtgerät mit einem paralellen Balken mit Haken dargestellt. /3/, /8/

Individuelle Kennung (Modus III im Frequenzbereich VII), Notfall und Alarm

Nach /3/ sind individuelle Kennung und Notfall durch einen dritten Impuls im Antwortsignal gekennzeichnet. /11/ gibt dagegen an, dass die individuelle Kennung mit einem dreistelligen Code definiert ist.

Eine Bodenstation kann das Notsignal als ein Alarmsignal empfangen und mit einer Lampe am Bedienpult darstellen, auch wenn sie keine eigene Abfrage durchführt /3/, /8/. Die Bodenstationen haben dann ihren Sektor nach dem Ziel abzusuchen /11/.

Übersichten

Frequenzbereiche:

I8600..9700 MHz/1/
II2520..3380 MHz/1/
III668 MHz/1/, /2/. /8/
IV
V
VI
VII1532, 1458, 1470 MHz/2/

Modi:

FreqModusKremnijParolAbfrageAntwort
I/II+IIIIxAllgemeine Kennung2 Arten12 Antwortcodes, Notsignal
I/II+IIIIxIndividuelle Kennung2 Arten12 Antwortcodes, Notsignal
IIIIxxAllgemeine KennungAbfrage + Abfrage der Kontrollkennung12 Antwortcodes oder keine Antwort bei Kontrollkennung, Notsignal
IIIIIIxxIndividuelle Kennung2 Arten3stelliger Code? /11/
VIIIxAllgemeine Kennung1 Abfrage /3/, Abfrage der Kontrollkennung /11/6 Antwortcodes, Notsignal /3/
VIIIIxImitationsgeschützte Allgemeine Kennung911 Abfragecodes /3/16 Antwortcodes, Notsignal /3/
VIIIIIxIndividuelle Kennung3stelliger Code
IVxIndividuelle Kennung5stelliger Code /11/
V
VIxHöhe und Kraftstoffvorrat
VII
VIII

Quellen

Wichtiger Hinweis: Ich habe hier auch ausländische Websites aufgeführt, von denen mir nicht alle einen vertrauenserweckenden Eindruck machen, auch wenn sie interessantes Material beherbergen. Ich möchte niemandem Unrecht tun oder vorverurteilen. Trotzdem empfehle ich, dass Sie wie sonst auch beim Surfen gewisse Grundregeln beachten: ein gepachtes System, ein aktueller Browser, aktueller Virenscanner und nicht als Administrator ins Internet. Und im Zweifelsfall nutze ich lieber Knoppix als Betriebssystem ...

/1/ http://www.radioscanner.ru/files/systems/file6947/
Beschreibung SRO-2 und SRZO-2 auf Russisch, im djvu-Format

/2/ http://forum.vardanank.org/
Наземный Радиолокационный Запросчик НРЗ-4П «Пароль»: Auszug aus Studienmaterial zum NRZ-4P (auf Russisch)
Armenisches Forum, Anmeldung erforderlich.

/3/ http://5ka.su/ref/war/0_object3060.htmls
НАЗЕМНЫЙ РАДИОЛОКАЦИОННИЙ ЗАПРОСЧИК IЛ24: Ausarbeitung zum Abfragegerät 1L24 (auf Russisch)

/4/ www.flugzeugforum.de
Thread: Einsatz bei NVA-LSK, Freund Feind Kennung

/5/ www.nva-forum.de
Thread: Luftraumüberwachung, Nutzung Kennungsgeräte

/6/ http://www.studfiles.ru/dir/cat20/subj241/file8670/view92366.html
Шпоры по военке 4 курс VII семестр: Arbeit, die auch Aspekte des Systems Parol beschreibt (auf Russisch)

/7/ www.radartutorial.eu
Umfassende Behandlung von Radaranlagen, beschreibt Parol-Geräte und die generellen Prinzipien der Nebenkeulenunterdrückung.

/8/ www.rwd-mb3.de
Website zum Raketen- und Waffentechnischer Dienst im Kdo. MB III, enthält auch Darstellungen zu den Systemen Kremnij und Parol und ihren Geräten.

/9/ http://nva-flieger.de/ffm.html
Freund-Feind-Kennung bei NVA-Flieger.de

/10/ DV 246/0/035 "Hydroakustische, visuelle, Funkmeß- und UKW-Freund-Feind-Kennung" (Volksmarine 1986)

/11/ 1. Durchführungsanordnung vom 09.02.1990 zur Ordnung 010/9/022 - Funkmeß-Kennungsordnung (LSK/LV 1990)

/12/ E. S, U.M.: „Wer ist hier Freund, und wer ist Feind“ Fliegerrevue 10/92

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