Dresden: Flughafen Klotzsche

Flughafen Dresden, DRS

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KoordinatenN510804 E0134605 (WGS84) Google Maps
HNN 230 m
Ehemalige DDRBezirk Dresden
BundeslandSachsen
Location indicatorEDXD (196x), ETDN (-199x), EDDC (199x-)
Die Geschichte der Flugplätze im Kalten Krieg: Dresden
von Bert Kondruß
Inhalt
Seite 1: Von den Anfängen bis in die 1960er Jahre
Seite 2: Von den 1970er Jahren bis heute
Heute
Links

1970er Jahre

Situation

Flughafen Dresden-Klotzsche auf einer Karte 1972
Der Flughafen Dresden Klotzsche auf einer Karte des US-Verteidigungsministeriums aus dem Jahr 1972 (Quelle: ONC E-2 (1972), Perry-Castañeda Library Map Collection, University of Texas at Austin /PCL MC/)

Übersicht

Flughafen Dresden Klotzsche auf einem Satellitenbild 1979
Der Flughafen Dresden Klotzsche auf einem US-Satellitenbild vom 16.05.1979 (Quelle: U.S. Geological Survey)
Nördlicher Teil vom Flugplatz
Der nördliche Teil (Quelle: U.S. Geological Survey)
Mittlerer Teil
Mittlerer Teil - Der leiterförmige Bereich unten links sind neu geschaffene Abstellflächen für die Transportflugzeuge Il-14 und später An-26 der NVA (Quelle: U.S. Geological Survey)
Südlicher Teil mit dem Flughafen der DDR-Fluggesellschaft Interflug
Südlicher Teil mit dem Flughafen der DDR-Fluggesellschaft Interflug (Quelle: U.S. Geological Survey)

Start- und Landebahnen

Angaben für das Jahr 1976:
  • 04/22: 2500 m x 80 m
  • 04/22: 1000 m x 100 m Gras Notlandebahn nordwestlich, bis Rollweg C

Einheiten

Matthias Behlert schreibt über die Zeit von Anfang der 1970er Jahre bis 1974:
Dresden-Klotzsche wurde auch von der GST als Segelflugplatz genutzt. Gestartet und gelandet wurde auf der Grasnarbe neben dem Rollfeld. Auch hier fand überwiegend Windenschlepp statt; einige Male im Jahr stand jedoch ein Schleppflugzeug aus Bautzen-Klix zur Verfügung. Die Nutzungsrechte am Flughafen waren zu jener Zeit folgendermaßen gestaffelt:
1. NVA
2. Flugzeugwerft
3. Interflug
4. GST
Die Interflug stellte für uns Segelflieger kaum ein Problem dar, denn zu jener Zeit gab es wöchentlich nur etwa 20 Linienflüge von und nach Dresden, die alle Mo-Fr stattfanden. Ein einziges Mal habe ich es erlebt, dass Dresden-Klotzsche wetterbedingt als Ausweichflughafen für Berlin-Schönefeld herhalten musste; da ging es dann auf der Rollbahn plötzlich hoch her, und Segelfliegen war natürlich nicht möglich. Auch die Flugzeugwerft legte uns keine Steine in den Weg. Lediglich die NVA hatte an 5-6 Wochenenden pro Saison etwas dagegen, dass wir flogen.

Bilder

NVA MiG-21 in Dresden Klotzsche, DDR
MiG-21 mit Tarnfarben und NVA-Kennzeichen - Foto der US Militärverbindungsmission vom 14.12.1972. Es ist die siebente hier gesehene MiG-21 in Tarnfarben. Es wurde zunächst vermutet, dass das Flugzeug für die arabischen Streitkräfte in den Nahen Osten geliefert werden soll, da zur selben Zeit eine An-12 der Ägyptischen Luftwaffe in Dresden war. Dieser Zusammenhang konnte jedoch nicht bestätigt werden. (Quelle: USMLM Unit History 1972)
NVA MiG-17 in Dresden Klotzsche, DDR
MiG-17 der NVA in Dresden - Das Flugzeug wurde am 21.02.1973 von der US Militärverbindungsmission fotografiert. Die Aufhängestation an der Tragfläche ist an einem ungewöhnlichen Punkt befestigt. (Quelle: USMLM Unit History 1973)

1980er/frühe 1990er Jahre

Übersicht

Karte Flughafen Dresden-Klotzsche 1990
A, B, C, D, E, F, GRollweg-Bezeichnungen
(1)Militärische Abstellfläche
(2)Zivile Abstellfläche
(3)Abstellfläche 3
(4)Flugleitung / Kontrollturm
(5)Tanklager
(6)RSBN (Nahnavigationssystem)

Start- und Landebahnen

Angaben für das Jahr 1985:
  • 04/22: 2500 m x 80 m Asphalt mit Köpfen an beiden Enden
  • 04/22 Gras Notbahn, nördlich der Hauptstartbahn
Angaben für 1989 nach Rekonstruktion mit Wechsel des Belags und Verringerung der Breite:
  • 04/22: 2500 m x 51 m Beton
  • 04/22: 1800 m x 60 m Gras Notlandebahn

Funkfeuer

Angaben für das Jahr 1989:
  • RSBN: Kanal 39 "FO", N510758 E0134557 (S43/82)
  • DME: Kanal 116 "DSN"
  • LOM 22: 370 "FS", 7613 m zur Landebahnschwelle, zivil
  • FFF 22: 834 "FO", 3800 m zur Landebahnschwelle, mil
  • NFF / LMM 22: 407 "F", 1245 m zur Landebahnschwelle, mil / zivil
  • ILS 22: 109,7 "IFS"
  • LOM 04: 342 "GPZ", 12602 m zur Landebahnschwelle, zivil
  • FFF 04: 376 "KW", 3728 m zur Landebahnschwelle, mil
  • NFF / LMM 04: 407 "K", 1065 m zur Landebahnschwelle, mil / zivil
Die Kennungen der Funkfeuer FO und F (Hauptlanderichtung) wurden wie üblich aus dem ersten und letzten Buchstaben des Rufzeichens "FIGARO" abgeleitet.
Die Funknavigationsausrüstung für den Anflug auf Dresden war ungewöhnlich: sie bestand aus jeweils 3 Funkfeuern für jede Anflugrichtung. Das Konstrukt entstand durch die Überlappung jeweils eines militärischen und eines zivilen Systems, denn das äußere Funkfeuer hat im zivilen System einen signifikant größeren Normabstand von der Landebahn (ca. 3..4 Seemeilen) als im militärischen System des Warschauer Paktes (4 km).
Anflugrichtung 221°:
- Militärisches System mit den Funkfeuern FO und F
- Ziviles System mit den Funkfeuern FS und F
Das Funkfeuer F war also Bestandteil sowohl des zivilen als auch des militärischen Systems. Das Funkfeuer FS war gleichzeitig Streckenfunkfeuer für die Luftstraße B52.
Anflugrichtung 041°:
- Militärisches System mit den Funkfeuern KW und K
- Ziviles System mit den Funkfeuern GPZ und K
Das Funkfeuer K war also Bestandteil sowohl des zivilen als auch des militärischen Systems. Das Funkfeuer GPZ war gleichzeitig Streckenfunkfeuer für die Luftstraßen B51 und B52 und hatte vermutlich deshalb einen deutlich größeren Abstand zur Landebahn 04 als üblich.
Ungefähr ab Mitte der 1980er Jahre sah der Landeanflug auf die Bahn 22 eine Peilung zum Funkfeuer "KZ" vor, dem Fernfunkfeuer vom Kamenz: Flugplatz. Damit wurden Frequenz und Kennung dieses militärischen Funkfeuers international veröffentlicht, was bei der sonst so übertriebenen Geheimhaltung in der DDR schon sehr bemerkenswert war.

Ausstattung des Flugplatzes mit Instrumentenlandesystemen

Noch Anfang der 1980er Jahre war der Platz anstelle eines ILS nur mit einem sowjetischen Landesystem KGSP/KRM für die Landebahn 04 ausgestattet.

Flugfunk

Angaben für die 1980er Jahre:
Militärisch
Das militärische Rufzeichen des Flugplatzes war FIGARO, des Flugleiters FIGARO-START (Frequenzen 132,0 und 124,0 MHz) und des Peilers FIGARO-PELENG (130,0 MHz).
Zivil
Die zivilen Rufzeichen waren DRESDEN APPROACH und DRESDEN TOWER (beide 127,7 MHz) sowie DRESDEN PRECISION für den PAR-Anflug (118,0 MHz).

Telefon

Angaben für die 1980er Jahre:
Sondernetz S1
Der militärische Teil des Flugplatzes einschließlich FWD war im Sondernetz/Stabsnetz S1 über die Nummer 9321 erreichbar. Die Tarnnamen im Jahre 1990 waren NEIGUNGSEHE (Nachrichtenzentrale) und GERÄT (Gefechtsstand). Die Passkontrolle am Flughafen war als Nebenstelle der MfS-Bezirksverwaltung Dresden über die Nummer 7-9724-2878 angebunden.
Öffentliches Fernsprechnetz der ehemaligen DDR
Flughafen: Dresden 58941 (Flugleitung), 585171
Interflug: Dresden 583141

Fernschreiber

Angaben für die 1980er Jahre:
Ehemaliges Sondernetz/Stabsnetz S1 der DDR:
Die Fernschreibstelle der Passkontrolle hatte den Anschluss 939-374-44 und das Rufzeichen guest-dfh im MfS-Betriebsnetz.
Öffentliches Telex-Netz der ehemaligen DDR:
Flugleitung: 02125
Interflug: Telex 026 036

Karten

Nachfolgende Karten stammen aus dem "Verzeichnis 012 - Flugnavigationsinformationen der Flugplätze der NVA und der Grenztruppen der DDR" aus dem Jahre 1989. Das Dokument war "Geheime Verschlußsache"
Verzeichnis 012: Lage Flugplatz Dresden-Klotzsche, DDR NVA
Lage des Platzes
NVA-Karte Verzeichnis 012 mit Abflugrouten in Hauptlanderichtung
Abflugrouten in Hauptlanderichtung 221°
NVA-Karte Verzeichnis 012 mit Abflugrouten in Nebenlanderichtung
Abflugrouten in Nebenlanderichtung 041°
NVA-Karte mit Anflug mit Nutzung Fernfunkfeuer in Hauptlanderichtung
Anflug mit Nutzung des Fernfunkfeuers in Hauptlanderichtung 221°. Die drei Funkfeuer FS, FO und F sind gut zu erkennen.
NVA-Karte mit Anflug Fernfunkfeuer in Nebenlanderichtung
Anflug mit Nutzung des Fernfunkfeuers in Nebenlanderichtung 041°

Sichtanflug- und abflug

Angaben für die Jahre 1985..1990:
Flughafen Dresden - Moritzburg (nur Abflug)
Flughafen Dresden - Radeburg (nur Abflug)
Flughafen Dresden - Wachau - Großnaundorf - Königsbrück
Flughafen Dresden - Wachau - Dittersbach - Stadt Wehlen - Struppen - Barrage-Malter - Freiberg

Anschlussstrecken VFR

Angaben für das Jahr 1982:
Freiberg auf der örtlichen Fluglinie Nr. 34 (Streckenabschnitt Mutzschen - Freiberg)
Radeburg auf der örtlichen Fluglinie Nr. 14 (Streckenabschnitt Radeburg - Coswig)
Moritzburg, kürzester Flugweg nach der örtlichen Fluglinie Nr. 14 (Streckenabschnitt Radeburg - Coswig);
Wehlen, Punkt auf der örtlichen Fluglinie.

Einheiten

Um die Wendezeit waren diese Einheiten in Dresden stationiert:
- Transportfliegerstaffel 24 (TS-24, Postfach PF 33608)
- Fliegertechnisches Bataillon 24 (FTB-24, PF 43803)
- Luftaufklärungszentrale (PF 63276)

Liegenschaften

Angaben für das Jahr 1990:
12/025: Flugplatz
12/170: Fernmeldeeinrichtungen TS-24 (0,4 ha, 9 Unterkunftsplätze)
12/171: Flugsicherungseinrichtung TS-24 (1,9 ha, 12 U)
12/294: Funkmarker (3 ha), Adresse: Dresden Wilder Mann, An der Kalkreutherstr.
Die hier genannten NVA-Objektnummern (12/025 usw.) wurden aus der Bezirksnummer (12=Bezirk Dresden) und einer laufenden Nummer gebildet.

Chronik

13.06.1990 Vorkommnis K-1 bei Überführungsflug nach Dresden. Über dem Fernfunkfeuer bemerkt der Flugzeugführer eine An-26 im Landeanflug. Einleitung einer zweiten Platzrunde und Landung mit 250 Litern Kraftstoff. Ursache: Flugleiter war überfordert. Mangel in der Vorbereitung der Führung, mangelnde Qualifizierung des Personals.

1990er/2000er Jahre

Nutzung

Noch kurze Zeit Bundeswehr-Standort sowie Verschrottung ehemaliger NVA-Militärflugzeuge.

Heute

Nutzung

Zivilflughafen

Links

  • http://www.skybird-ev.de/ - ★★★★★ SKYBIRD - Pro Luftfahrt e.V. Enthält Flugbewegungen seit 1956 und historischen Funkverkehr von 1960
  • http://www.fliegerhorste.de/dresden.htm - Dresden - Luftkriegsschule 1
  • LUROKOs An-26 Page - Informationen zur An-26 und TS-24
  • /BYU/:
    http://lib.byu.edu/collections/german-maps/ - German Maps (Topographische Karte 1:25,000)
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1971 - Notiz zur Sichtung einer ägyptischen An-12 in Dresden am 08.07.1971
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1972 - Notiz zur Sichtung einer An-12 mit arabischen Kennzeichen sowie von MiG-21 mit Tarnbemalung
  • http://www.history.hqusareur.army.mil/uslmannual.htm (offline): USMLM Unit History 1973 - Notiz zur Sichtung einer MiG-17 mit modifizierten Aufhängungen
  • Dresden Airport - Offizielle Homepage des Flughafens Dresden
  • Sachsenbunker - Funkfeuer des Fluplatzes Dresden

Literatur

  • Grenzdörfer, Joachim; Seifert, Karl-Dieter: "Geschichte der ostdeutschen Verkehrsflughäfen" Bernard & Graefe Verlag, Bonn, 1997 - 15 Seiten Beschreibung und zahlreiche Bilder und Pläne
  • Freundt, Lutz: "Sowjetische Fliegerkräfte in Deutschland 1945-1994, Band 1" Freundt Eigenverlag, Diepholz 1998 - Kurze Beschreibung zur unmittelbaren Nachkriegsnutzung; Luftbildausschnitt von 1953
  • Bußmann, Kleest, Freundt: ""11-80, katapultieren Sie!"" AeroLit - Verlag und Medienvertrieb, Berlin, 2004 - Kurze Beschreibungen zu Unglücken in Dresden-Klotzsche in den Jahren 1963, 1964, 1966 und 1967
  • Billig, Detlef; Meyer, Manfred: "Flugzeuge der DDR, I. Band bis 1962" TOM Modellbau, Friedland, 2002 - Informationen und viele Bilder zum Bau der Il-14 und Baade 152 in Dresden
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